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Der Killer-Papagei (Turnaround-Anekdote)

Einführung einer neuen Kategorie

Heute möchte ich eine neue Kategorie in meinem Blog einführen, die Turnaround-Anekdoten. Diese Anekdoten stammen natürlich aus dem Umfeld der Hidden Loser und nicht meines Hidden Champions. Dazu gilt es zunächst die Begriffsdefinitionen festzulegen.

Turnaround: Dieser Begriff stammt aus der Beratungsbranche, unter Turnaround-Projekten versteht man Projekte, die zur Sanierung oder Restrukturierung von Unternehmen umgesetzt werden. In diesem Segment war ich fünf Jahre für eine Hamburger Beratungsfirma tätig, die im Auftrage von Großbanken die Insolvenz von mittelständischen Unternehmen abwenden sollte.

Anekdote: Eine Anekdote hat eine bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, meist im Leben einer Person, zur Grundlage. (Quelle Wikipedia)

Ich bin davon überzeugt, dass im Content-Marketing die Regel "AIR" gilt: Der Inhalt muss Amüsant, Interessant, und Relevant sein. Unter dieser neuen Kategorie möchte ich dem "A" gerecht werden, indem ich von eindrucksvollen Begebenheiten und Personen in den vielen Jahren der Sanierungsberatung berichten werde.

Der Busunternehmer und der Pagagei

Starten möchte ich heute mit dem Busunternehmer und dem Papagei.

 

Der Busunternehmer hatte es zu einer beträchtlichen Flotte von Reisebussen gebracht und auch zu einer ebenso beeindruckenden Summe von Bankschulden. Als wir uns die ersten Tage mit diesem Unternehmen vor Ort beschäftigt hatten, stellte sich schnell heraus, dass das Unternehmen schon längst faktisch insolvent war. Die Summe der überfälligen Verbindlichkeiten lag im siebenstelligen Bereich. Die Banken hatten das Vertrauen in den Unternehmer längst verloren und suchten nun gemeinsam mit uns nach Auswegen aus der Misere.

Der Unternehmer war wirklich ein "seltsamer Vogel", eine besondere Vorliebe hatte er für einen Papagei, der in dem zentralen Flur des Geschäftsgebäudes sein Zuhause hatte. Das an sich war schon ungewöhnlich aber noch besser war die Tatsache, dass dieser Papagei äußerst aggressiv war und praktisch jeden, außer sein Herrchen,  beim Vorbeigehen angriff. Es war unsere Aufgabe zunächst das Unternehmen zu analysieren und dabei mit Führungskräften und Mitarbeitern zu sprechen, also blieb uns nichts übrig, als irgendwie durch diesen Flur, vorbei an dem "Killer-Papagei" zu den Mitarbeitern zu gelangen. Einen meiner Kollegen hatte er bereits erfolgreich angegriffen und kräftig in die Schulter gebissen. Neben den Käfig lag ein Holzstock, mit dem die vorbeigehenden Mitarbeiter und Berater irgendwie diesen Papagei im Zaum halten sollten. Ich hätte mir eine eigene Strategie überlegt, indem ich dem Papagei meinen Notizblock hinhielt, in den er sich dann festbiss, während ich mich elegant um den Käfig drehte, um dann mit einem kräftigen Ruck mein Notizblock wieder zu befreien. Man muss sich vorstellen, dass auch die Mitarbeiter ähnliche Schwierigkeiten hatten in dem schmalen Flur an diesen Gefieder vorbeizukommen. Bei gutem Wetter hatte ich noch eine Alternativstrategie entwickelt, in der ich außen am Gebäude herum ging, um dann wieder rückwärtig in den Flur, zu den Zimmern der Mitarbeiter zu gelangen. Wenn der Papagei gewusst hätte, wie die Lage des Unternehmens ist, und dass sein Herrchen es zu verantworten hatte, wäre er sicher weg geflogen. Das hätte meinem Notizblock auch gut getan.

Der BMW M5 von ebay

Weiterhin bemerkenswert war auch der Dienstwagen, den sich der Unternehmer zugelegt hatte, ein reichlich in die Jahre gekommener BMW mit einem M5-Motor und einem riesen Riss in der Frontscheibe. Mit diesem charmanten Gefährt holte er uns dann immer vom Bahnhof ab und fuhr mit uns mittags zum Essen.

Das Hotel des Grauens

Interessant in diesem Projekt war auch das Hotel, in dem man uns Berater einquartiert hatte. Vor meiner ersten Reise hatte mich ein Beraterkollege vor diesem Hotel gewarnt, so dass ich das Sekretariat ersucht hatte, ein alternatives Domizil für uns ausfindig zu machen. Leider war die gute Kollegin so schlau, noch einmal im Unternehmen direkt nach Alternativen zu fragen, Motto: unsere Berater haben in dem Hotel schlechte Erfahrung gemacht. Es stellte sich dann heraus, dass das Hotel, welches wir meiden wollten, sowohl das Elternhaus des Unternehmers war, als auch aktuell von seinem Bruder betrieben wurde. Als wir nun sehr spät abends dort ankamen, empfing uns als erstes der Bruder und wollte von uns wissen, warum wir sein tolles Hotel nicht auswählen wollten, wir taten dann natürlich, so als sei alles nur eine Verwechslung gewesen. Fakt war, dass die Zimmer teilweise Furcht einflößend waren, ich hatte in meinem Zimmer ein Teppich mit Flecken, einen Nachttisch-Lampenschirm der schon an angekokelt war und einen unangenehmen Geruch im ganzen Zimmer.

Erfolg ist kein Zufall, Misserfolg auch nicht.

 

Artikelfoto: dantes's no von Genista, gefunden auf Flickr.com unter CC-Lizenz

 

 

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