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Die Russen werden sich um die Banker kümmern (Turnaround-Anekdote)

Vorwort zur Kategorie

Heute möchte ich Ihnen einen weiteren Artikel in der Kategorie Turaround-Anekdoten anbieten. Diese Anekdoten stammen natürlich aus dem Umfeld der Hidden Loser. Vorab noch einmal die Begriffsdefinitionen:

Turnaround: Dieser Begriff stammt aus der Beratungsbranche, unter Turnaround-Projekten versteht man Projekte, die zur Sanierung oder Restrukturierung von Unternehmen umgesetzt werden. In diesem Segment war ich fünf Jahre für eine Hamburger Beratungsfirma tätig, die im Auftrage von Banken die Insolvenz von mittelständischen Unternehmen abwenden sollte.

Anekdote: Eine Anekdote hat eine bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, meist im Leben einer Person, zur Grundlage. (Quelle Wikipedia)

Ein Berater war schon durch

Als die Banken dem Beratungsunternehmen, für das ich tätig war, diesen Neukunden ans Herz legten, hatte bereits ein Hamburger Berater das Unternehmen intensiv begleitet. Nach meiner Einschätzung ein sehr fähiger Mann, der Geschäftsführer einer anerkannten Beratungsfirma war. Er hatten den Fehler begangen, sich aus Sicht der Banken zu sehr auf die Seite des Unternehmers zu positioniert und damit nicht mehr nur als verlängerter Arm der Banken tätig zu werden. Also drängten die Banken darauf diesen Berater abzulösen. Wie immer hatten wir zunächst ein Fortführungsgutachten und intensive Planungsrechnungen durchzuführen. Wir waren insgesamt mit drei Beratern angerückt. Besonders erfreut hatte mich gleich am Anfang die Tatsache, dass man uns einen Tisch in den Ablageraum gestellt hatte, an dem wir unser Werk verrichten sollten.

Der Geschäftsführer in der Klemme

Wie meist nach solchen Gutachten, hatten die Vertreter der Banken den Unternehmer dazu " ermutigt" die Umsetzung der im Gutachten dargestellten Maßnahmen durch uns begleiten zu lassen. Dies ist in solchen Projekten der Regelfall, da die Banken immer das Vertrauen gegenüber den Gesellschaftern und Geschäftsführern verloren hatten und nur noch den Beratern über den Weg trauen. Der Umgang mit dem geschäftsführenden Gesellschafter war im Grunde ganz passabel und wir waren bereits einige Wochen im Unternehmen tätig. Das Ziel der Banken war dieses Engagement loszuwerden und den Inhaber darauf zu drängen das Unternehmen zu verkaufen oder einen neuen Gesellschafter aufzunehmen. Mit dieser Zielsetzung waren wir gefordert immer mehr Druck in diese Richtung aufzumachen, die Banken drohten wie üblich damit die Linien fällig zu stellen, um ihre Ziele durchzusetzen. Gerne wurde  auch immer mit dem Damoklesschwert der persönlichen Insolvenz gedroht, Motto: wenn Sie nicht Spuren, dann stehen sie bald vor dem Nichts. Meine Kollegen erfreuen sich immer an dieser Technik und diesen Spielchen, mir waren diese Vorgehensmodelle immer zuwider.

Ich habe Russen-Freunde, die werden sich dann um die Banker kümmern1346946327_anger

Als der Druck immer höher wurde, verschärfte sich auch die Kommunikation mit dem Gesellschafter. Die Banken drohten über uns dem Gesellschafter und nun wollte auch der Gesellschafter über uns den Bankern drohen. Ich kann mich noch gut an diesen Moment erinnern, als meine Berater Kollegen und ich im Büro des Geschäftsführers standen und er uns darauf hinwies, dass er Russen-Freunde hätte, die sich im Fall der Insolvenz dann um die Vertreter der Banken kümmern würden. Als er diese Warnung aussprach, signalisierte er das typische Handzeichen, bei dem jemanden die Kehle durchgeschnitten wird. Meinen Kollegen und mir stockte der Atem, als wir realisierten, dass dies nicht eine Floskel, sondern eine ernst gemeinter Hinweis war. Nach dieser Aussage verließen wir kopfschüttelnd das Geschäftsführerbüro und gingen zurück in unsere Ablage-Stube. Zum Glück kam es nicht zu dieser finalen Situation. Es war ein Beispiel dafür, wie in die Enge getriebene Unternehmer, die alles was Sie über Jahrzehnte aufgebaut hatten nun verlieren sollten, in ihrer Ausweglosigkeit reagieren.

Dieses Unternehmen war ein wieder ein Fall, bei dem der Unternehmer durch zu große Quantensprünge, zu hohe Investitionen und zu viel Fremdfinanzierung sich in die Hände der Kapitalpartner begeben hatte. Er hatte ein hoch modernes Werk aufgebaut, es mit den besten Maschinen ausgestattet, alles vom Feinsten. Mit seiner technischen Dienstleistung konnte er nur einen Markt als Zulieferer bedienen und genau hier war die Falle. Als alles stand, kam es zu einem starken Einbruch auf dem Absatzmarkt, seine Kunden, mit denen er nur lose Vereinbarungen hatte, passten einfach ihre Bestellungen nach unten an. Bei starken Markt- Schwankungen und nicht ausreichender Liquidität, droht den Unternehmen dann immer dieser Weg über die Banken.

Erfolg ist kein Zufall! Misserfolg auch nicht!

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Artikelfoto: Die Drei vom Panzerkreuzer von arne.list, gefunden auf Flickr.com unter CC-Lizenz

 

 

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