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Der Geschäftsführer und sein Fernseher (Turnaround-Anekdote)

Vorwort zur Kategorie

Heute möchte ich Ihnen einen weiteren Post in der Kategorie Turaround-Anekdoten anbieten. Diese Anekdoten stammen natürlich aus dem Umfeld der Hidden Loser. Vorab noch einmal die Begriffsdefinitionen:

Turnaround: Dieser Begriff stammt aus der Beratungsbranche, unter Turnaround-Projekten versteht man Projekte, die zur Sanierung oder Restrukturierung von Unternehmen umgesetzt werden. In diesem Segment war ich fünf Jahre für eine Hamburger Beratungsfirma tätig, die im Auftrage von Großbanken die Insolvenz von mittelständischen Unternehmen abwenden sollte.

Anekdote: Eine Anekdote hat eine bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, meist im Leben einer Person, zur Grundlage. (Quelle Wikipedia)

Der Geschäftsführer und sein Fernseher

In diesem Artikel möchte ich Ihnen von einem Projekt berichten, das ich vor einigen Jahren betreut habe. Wieder ein mittelständisches Unternehmen am Rande der Insolvenz, bei dem die Banken aus Angst vor einem Totalverlust Berater ins Unternehmen geschickt hatten. Ein Betrieb der chemischen Industrie in einem der typischen Gewerbegebiete. Der Geschäftsführer war der Schwiegersohn des Unternehmers, ein studierter Mann  mittleren Alters. Die erste Besonderheit fiel mir bei meinem Besuch seines Büros auf. Auf seinem Schreibtisch stand ein kleiner Fernseher, der praktisch den ganzen Tag neben seinem Computer lief. Meist lief ein Programm mit Talkshows oder anderen Highlights, die man während des Tages auf Privatsendern sehen kann. Ich versuchte stets möglichst schnell das Büro zu betreten, um ihn etwas zu überraschen, was immerhin dazu führte, dass er per Fernsteuerung den Ton ausschaltete.

Mehr Krankheitstage als Jahresurlaub

Weiterhin bemerkenswert waren seine Krankheitstage, es kann immer wieder vor, dass ich mich zu einem Besuch angemeldet hatte und er dann überraschend krank war. Da ich auch Gespräche mit Mitarbeitern zu führen hatte, war dies nicht besonders störend, aber zunehmend auffallend. Mal war es eine Erkältung, einmal war er von einem Fahrrad gefallen, dann taten die Ohren nach einem Tauchgang weh, usw. usw. In einem vertraulichen Gespräch rechnete mir dann der Vertriebsleiter vor, dass sein Geschäftsführer, der von ihm immer mehr Einsatz und Leistung abforderte, mehr Krankheitstage als Jahresurlaub hatte. Besonders bemerkenswert war dieser Umstand auch deshalb, weil der Geschäftsführer selbst Anteile an dem Unternehmen hatte und damit selbst Unternehmer war. Erst später wurde mir klar, dass die Krankheitstage in direkter Verbindung mit seiner Alkohol- und Partyaffinität standen.

Was für den Mitarbeiter gilt, gilt für den Chef noch lange nicht

Ein Thema des Projektes war auch die Professionalisierung und Intensivierung der Vertriebstätigkeit im Unternehmen. Neben einem Vertriebsleiter gab es eine Reihe von Außendienstmitarbeitern und den Geschäftsführer, der auch die Rolle des Vertriebsgeschäftsführers inne hatte. Ich hatte immer wieder mit dem Frust der Mitarbeiter zu kämpfen und entsprechen auf den Geschäftsführer einzuwirken, weil er höchste Leistung und höchsten Einsatz von seinen Mitarbeitern verlangte, dies aber für sich selbst überhaupt nicht als Maßstab nahm. Ganz im Gegenteil vertrat er die Meinung, die Mitarbeiter bekommen ein Gehalt und soll sich gefälligst anstrengen.

Schnaps und Zigaretten

Als ein weiteres Highlight möchte ich seine Begeisterung für Schnaps und Zigaretten nicht unerwähnt lassen. Ob wir mittags zu einem Geschäftsessen fuhren oder am Nachmittag Gesprächsrunden in seinem Büro stattfanden, geraucht wurde immer und auch gerne mal ein Gläschen dazu kredenzt. Ich erinnere mich noch an einem späten Nachmittagstermin in seinem Büro, bei dem er schon mit einem Glas Cognac mit der kaufmännische Leiterin zusammen saß. Natürlich wollte er mich immer zu einem Gläschen überreden, in dieser Beziehung hatte er leider den falschen Berater im Haus.

Erfolg ist kein Zufall, Misserfolg auch nicht.

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Artikelfoto: IMG_9908 von noeffred, gefunden auf Flickr.com unter CC-Lizenz

 

 

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